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Auf dem Rücken des schnellsten Rennpferdes: mit dem Jugendbuch „Blitz der Schwarze Hengst“

Lesen ist Spannung pur: Vor allem wenn der jugendliche Protagonist den Leser mitnimmt auf seine atemberaubenden Abenteuer mit seinem schwarzen Ausnahmerennpferd Blitz.

Lesen ist für Kinder und Jugendliche das Größte – auch, wenn man es sich heute zwischen Playstation und Handy kaum vorstellen kann. Vor dieser Zeit, also ohne diese umfangreiche multimediale Bespaßung, besaß das Lesen einen noch höheren Stellenwert. Denn Lesen bedeutete, in ferne Fantasiewelten abzutauchen, mitzufiebern oder sich über Happy Ends zu freuen.

Wer einen absoluten Favoriten als Kinderbuch-Helden hatte, war jedes Mal traurig, wenn die letzte Seite gelesen war – und voller Freude, wenn es sich um eine Buchserie handelte, sodass das nächste spannende Abenteuer schon in greifbarere Nähe war. Eine solche umfangreiche und klassische Buchserie sind die 16 Abenteuer um „Blitz der schwarze Hengst“ und seinen Besitzer und einzigen Reiter Alec Ramsay.

Wer alle Bände hat, verleiht seinem Bücherregal im Kinderzimmer mit „Blitz“ eine raumgreifende und prägnante Note. Das Besondere an dieser Buchreihe ist inhaltlich, dass sie ursprünglich aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts stammt. Also aus einer Zeit, in der Pferde in der Gesellschaft noch einen anderen Stellenwert hatten: Als Fortbewegungsmittel, landwirtschaftliche Helfer oder eben als Galopper auf der Rennbahn, einem knallharten Business.

Pferde werden also in den Jugendbüchern „Blitz der schwarze Hengst“ keineswegs als Liebhaberei von Pferde-Mädchen dargestellt – allein schon deshalb nicht, weil der Protagonist ein zunächst zwölfjähriger Junge ist.

 

Blitz der schwarze Hengst: Ein spannendes Jugendbuchabenteuer reiht sich an das nächste

Bereits der erste Band über Blitz ist Dramatik und Spannung pur. Denn allein, dass der junge Alec Ramsay ganz allein mit einem Schiff seinen Onkel in Indien besucht und ebenso allein die Rückreise über das Meer antritt, ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Auf dem Ozeandampfer macht er Bekanntschaft mit dem pechschwarzen Vollblut-Araber, der seinen Namen „Blitz“ erst später erhalten soll.

Und zwar ist es kein Kennenlernen in Harmonie und Kitsch, sondern es ist stattdessen eher von Furch geprägt. Denn der Rapphengst ist keineswegs zahm und die gesamte Zeit damit beschäftigt, mit aller Kraft seine Transportbox zu bearbeiten. Alec hat zwar Angst, ist aber zugleich fasziniert von dem wilden Pferd. In einer stürmischen Nacht erleidet der Dampfer Schiffbruch. Alec kann sich mit letzter Kraft auf eine Insel retten – als scheinbar einziger Überlebender.

Dort geht sein Kampf ums Überleben weiter, jedoch nicht allein: Denn auch der schwarze Hengst hat sich an Land gerettet. Noch immer unzähmbar, versucht auch das wunderschöne Pferd, Nahrung zu finden. Doch dies gelingt ihm erst mit Alecs Hilfe. So kommen Junge und Pferd sich nach und nach näher. Das Vertrauen ist letztlich so groß, dass der Hengst den Jungen sogar auf sich reiten lässt.

Dieser Werdegang ist so anschaulich geschrieben, dass Leser sich mitten im Geschehen wiederfinden. Sie galoppieren mit dem unsagbar schnellen Vollblüter am Strand entlang – ohne Zaumzeug und Sattel. Das Faszinierende aus heutiger Sicht ist umso mehr, wie selbstständig Alec sich ohne Hilfe und Kontakt zur Außenwelt um das Überleben von sich und Blitz, wie das Pferd inzwischen heißt, kümmert.

Diese Mischung aus Spannung, Faszination und Mitfühlen beinhaltet alles, was Experten als wichtig erachten, wenn Kinder und Jugendliche lesen. Das Lesen von derart spannender Jugendliteratur fördert das flüssige Lesen ungemein. Dies gilt auch für ein eigentlich so altes Buch wie „Blitz der schwarze Hengst“.

Denn dieses wurde zwischenzeitlich mehrfach neu aufgelegt und jeweils an eine modernere Sprache angepasst, sodass auch heutige Jugendliche mit Blitz und Alec mitfiebern können. Darauf hat der Verlag Coppenrath genau geachtet.

 

Blitz der Schwarze Hengst

 

Die Rettung: Alec und Blitz reisen nach Amerika

Endlich werden Alec und sein Araberhengst gerettet – doch damit ist das Abenteuer noch lange nicht vorbei. Denn das Wildpferd lässt sich keineswegs einfach so auf das Schiff laden. Mit aller Kraft wehrt es sich, seine Wildheit hat teils sogar bösartige Züge.

Doch Alec schafft es durch das enge Vertrauen, das das Pferd in den letzten Monaten zu ihm aufgebaut hat, Blitz an Bord zu bringen. Gemeinsam reisen Junge und Pferd in die USA. Von unterwegs telegrafiert (!) Alec seinem Vater, dass er lebt und dass er ein Pferd mitbringt.

Der Vater, nichtsahnend, rechnet mit einem üblichen, zahmen Reitpferd. Doch als das Schiff in den Hafen gelaufen ist und der Vater bereits aus dem Schiffsinnern die Tritte äußerst kräftiger Hufe und das schrille Wiehern eines Wildpferdes vernimmt, wird ihm schnell klar: Der Stall, den er bei seinem betagten Nachbarn angemietet hat, könnte vielleicht nicht das Richtige sein …

Nachdem er den ersten Blick auf den wunderschönen, aber augenscheinlich vollkommen ungezähmten Hengst geworfen hat, versucht der Vater, seinen Sohn davon abzubringen, das Pferd zu behalten. Doch das ist nicht möglich. Alec kämpft für Blitz – wie er es in allen weiteren Bänden und unter den widrigsten Umständen immer wieder tun wird. Das Ergebnis darf vorweggenommen werden: Blitz kommt natürlich mit und zieht tatsächlich in den Stall des Nachbarn.

Dort ist bereits ein betagtes Kutschpferd untergebracht, dass sich zunächst vor dem wilden Araberhengst fürchtet. Doch dies wird mit der Zeit vergehen. Eine weitaus wichtigere Rolle aber spielt der Nachbar Henry selbst: Er war in jüngeren Tagen ein erfolgreicher Jockey und späterer Rennpferd-Trainer.

Mit seinem ausgeprägten Pferdesachverstand erkennt er bereits auf den ersten Blick, was für ein Ausnahmepferd Blitz ist. Leser erfahren durch Henry sehr viel darüber, was ein erfolgreiches Rennpferd ausmacht – etwa, was für einen Körperbau es mitbringen sollte. Hier zeigt sich wieder, dass in „Blitz der schwarze Hengst“ zum einen die tiefe Liebe zu Pferden eine große Rolle spielt.

Zum anderen findet sich jedoch in keinem Moment etwas von Ponys mit Glitzermähnen oder ähnliches. Denn in dem Moment, in dem Blitz auf Henry trifft, beginnt seine beispiellose Karriere auf der Rennbahn. Dafür trainiert Alec in den frühen Morgenstunden mit Blitz und Henry, noch vor der Schule. Den wer auf der Rennbahn Erfolg haben will, muss großen Einsatz bringen – auch mit einem Ausnahmegalopper.

Fortan spielen die Elemente Wettkampf, Erfolg und auch Geld eine immer wichtiger werdende Rolle in der Geschichte. Damit spätestens wird „Blitz der schwarze Hengst“ ein Buch, das auch für Jungen auf ganzer Linie ein spannendes Leseabenteuer ist. Der unangefochtene Sieger auf dem schönsten Pferd sein: Das können jugendliche Leser hautnah erleben, wenn Alec sie mitnimmt auf Blitz Rücken, wo er von Sieg zu Sieg galoppiert.

 

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