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Wie Till Eulenspiegel einem Esel das Lesen beibrachte

Till Eulenspiegel hatte schon mehrere Male bewiesen, dass er durchaus der Schlauste unter seinen Mitmenschen war und bei seinen Streichen meist die Oberhand behielt. Doch es fanden sich tatsächlich welche, die seine Überlegenheit anzweifelten und beweisen wollten, dass sie ihm gewachsen seien.

Sie waren fest davon überzeugt, dass sie Till Eulenspiegel mit einer List einen Strich durch die Rechnung machen könnten. So überlegten sich ein paar ganz Schlaue eine äußerst schwierige oder gar unmögliche Aufgabe. Der witzige Narr sollte nämlich einem Esel das Lesen beibringen. Doch Till Eulenspiegel ließ sich nicht beirren und nahm die Herausforderung sofort an.

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Allerdings verlangte er für diese wunderliche Aufgabe einen Zeitraum von 20 Jahren. Die anderen waren einverstanden und gaben ihr Einverständnis, dass Till als Lohn 500 Taler sogleich und weitere 500 Taler dann bekommen soll, sobald er seine Aufgabe erfüllt hat. Von nun an legte sich Till Eulenspiegel mächtig ins Zeug, um seine Auftraggeber übers Ohr zu hauen.

Da machte er sich sofort an die Arbeit und übte mit dem Esel jeden Tag. Dazu hatte er sich mal wieder etwas Listiges überlegt. Er nahm ein großes Buch und legte es vor den Esel in die Futterkrippe. Um das Interesse des Esels für das Buch zu wecken, legte der schlaue Narr jedes Mal etwas Hafer zwischen die Seiten.

Das war eine hervorragende Idee, denn so lernte der Esel rasch, die Blätter mit seinem Maul nach Hafer durchzusuchen. Um an den Hafer heranzukommen, musste der Esel tatsächlich im Buch die Seiten umblättern. Dieser Anblick das blätternden Esels erweckte den Eindruck, als ob der Esel tatsächlich lesen würde. Nach erster Woche war Till Eulenspiegel mit diesem Ergebnis zufrieden.

Da rief er seine Herausforderer in den Stall und forderte sie auf: "Seht, was der Esel in nur 7 Tagen gelernt hat." Da nahm Till ein Buch und legte es dem Esel in die Futterkrippe zum Blättern, dieses Mal jedoch ohne den Hafer zwischen die Seiten zu verstecken. Was seine Herausforderer aber nicht wussten: Der arme Esel hatte tagelang nichts zu fressen bekommen und war nun so hungrig, dass er sich sofort auf die Suche nach dem Hafer zwischen den Seiten machte. Er stürzte sich auf das Buch und blätterte und blätterte, doch dieses Mal war kein Hafer da.

Nachdem der hungrige Esel mit dem ganzen Buch durch war und keine Belohnung gefunden hatte, gab das unzufriedene Tier ein lautes „I-a, I-a!“ von sich. Darauf drehte sich Till Eulenspiegel zu seinem Herausforderer und erklärte: „Seht ihn nur, zwei Buchstaben hat er bereits gelernt. Morgen beginne ich mit dem O und dem U.“

Da wurde seinen Herausforderer endlich bewusst, dass der Narr sie mal wieder aufs Ohr gehauen hatte. Noch bevor sie etwas sagen konnten, machte sich Till Eulenspiegel aus dem Staub.

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